Erlebnisbericht zu Rock am Ring und der Terrorwarnung

von Tom Lewis

Das Thema wurde im Netz ja von vorne bis hinten ordentlich diskutiert und alles und jede/r sah sich gezwungen seinen/ihren Senf dazu zu geben. Was dabei zu wenig gehört wurde: Die Leute, die dabei waren Dabei sollte man gerade denen zuhören, um ein gutes Bild zu bekommen.

Nun trifft es sich, dass ich selbst dabei war. Schön weit vorne bei den Broilers an der Hauptstage, als die Veranstaltung unterbrochen werden musste.

Zum Ablauf

Auch wenn sich der Veranstalter Lieberberg offenbar sehr darüber aufgeregt hat, dass die Polizei das Gelände räumen lassen wollte, fand ich persönlich dass das richtig war. Wie ich heute (nach Tagen ohne Internet) gelesen habe, gab es eine reelle Bedrohung und Festnahmen.

Auch die Security auf dem Gelände hat sich gut verhalten und alle ganz ruhig nach draußen geleitet. Die Securities waren aber eh verdammt cool drauf. An der Stelle also mal ein Lob an diese Leute!

Die Räumung selbst war dann absolut ruhig. Nach dem ersten Schock wandten sich alle langsam Richtung Ausgänge (bzw. zum nächsten Bierzelt; könnte ja das letzte Bier sein) und verließen das Gelände. Die meisten Leute waren enttäuscht. Wirklich jemanden mit Angst im Gesicht habe ich kaum gesehen. Viele sangen dabei und es sah nicht aus, als hätten wir gerade eine Terrorwarnung bekommen. Eher als sei gerade ein Konzert zu Ende gegangen.

An dieser Stelle muss ich jetzt auch die Band Broilers loben, denn die haben das Ganze einfach nur souverän gemeistert. Der Sänger Sammy wurde zweimal Backstage gerufen und die Band spielte instrumental weiter. Ich gehe also davon aus, dass die Veranstalter ihm bereits vorher Bescheid gegeben haben. Das letzte Lied, das vor dem Abbruch gespielt wurde, war dann ein langsames Lied, in dem es darum geht, wie wir derer gedenken, die von uns gegangen sind (Broilers – „Ihr da oben)“. Das war kein Zufall und es war gut ausgesucht.

Wir waren also schon, was die Stimmung angeht ruhiger, als wenn man vorher einen Song gespielt hätte, zu dem man nen ordentlichen Moshpit eröffnet hätte. Diese Gelassenheit verflog auch nicht, als wieder alle auf den Zeltplätzen ankamen. Dort wurde weitergefeiert und Lauter Grüppchen zogen mit eilig gebastelten „Saufen gegen Terror“ Schildern umher.

Die Berichterstattung

Als ich mir dann am nächsten Morgen mühsam einen Platz mit Internetverbindung gesucht hatte, las ich dann u.a. die Artikel von der Welt und vom Focus. Schlechte Quellenwahl für solche Themen. In den Kommentaren wütete „das Folk“™ und ich habe nach kurzem counter-pöbeln mein Handy wieder ausgemacht. Konnte mir den rechten Auflauf nicht geben und habe mich meinem Frühstücksbier gewidmet.

Die mediale Berichterstattung insgesamt, auch jetzt noch einmal nachträglich betrachtet, fand ich persönlich viel zu reißerisch. Wenn man sich den Welt Artikel und die Schlagzeile dazu durchliest, vermutet man eine Massenpanik. Das Ganze wurde dann schön hochgeschaukelt und scheinbar haben sich wieder alle den Mund fusselig geredet, während wir am Ring einfach gechillt weiter gefeiert haben.

Natürlich muss darüber berichtet werden. Aber man hätte das ganze auch ohne reißerische Titel machen können. Hier appelliere ich an journalistische Sorgfaltspflicht. Wir auf den Zeltplätzen waren einfach mal weitaus ruhiger und gelassener, als alle, die an ihren Computern saßen und da irgendeinen Müll in die Tastatur gekloppt haben.

Wie gesagt, die meisten waren einfach enttäuscht. Vor allem weil Rammstein nicht spielen konnte, viele jedoch genau für diese Band überhaupt gekommen sind.

Die Zeit danach

Was macht man nach einem Terroralarm?
Es muss weitergehen. Immer. Und genau das ist passiert. Wir saßen morgens auf dem Zeltplatz und haben auf die Nachricht gewartet, dass es weitergeht. Die Broilers wurden dann Samstag Abend nochmal für eine Stunde ins Programm eingeschoben und am Sonntag spielte auch Marteria, dessen Show ebenfalls ausfiel, für eine Stunde. Und das obwohl er Abends dann, vier Stunden später, bei Rock im Park aufgetreten ist. Respekt also an alle, die das möglich gemacht haben, dass wenigstens diese beiden noch auftreten konnten.

Auch hier wieder spezielles Lob an die Broilers. Am Tag nach dem Abbruch haben zwar viele Künstler etwas dazu gesagt (Ingo von den Donots und Campino von den Toten Hosen z.B.) und dabei fand ich das, was Sammy von den Broilers zu sagen hatte verdammt gut formuliert und sehr wichtig:(https://www.youtube.com/watch?v=yQJIsoCXANw ab 03:38)

Heute habe ich mich dann mit allen möglichen Leuten auseinandergesetzt, die nicht dabei waren, aber meinten das ganze für ihren rassistischen Dreck instrumentalisieren zu müssen. Schlauer bin ich nun, nach Diskussionen mit AfDlern nun nicht. Nur Kopfschmerzen habe ich. Ich kann es einfach nicht lassen denen zu widersprechen. Auch wenn es mühsam ist, muss es doch sein…

AfD Politiker tritt bei Pulse of Europe auf

Der Mainzer AfD Politiker Sebastian Münzenmaier hat auf seiner Seite ein Video seiner Rede bei einer Veranstaltung von Pulse of Europe. Das Video betitelt er mit „Ja zu Europa, nein zu dieser EU“.

Zwar hat sich PoE bereits dazu geäußert und sich von dieser Veranstaltung distanziert (siehe Bild 2), allerdings bestätigt dieser Vorfall genau die Befürchtungen, die wir bezüglich PoE hatten.

Die Organisation hat sich als offen für alle positioniert und hoffte damit alle Menschen in der EU zu erreichen. Dass sich Rechte diese Gelegenheit nicht auslassen, um solche Veranstaltungen für sich auszunutzen, war absolut vorhersehbar. Besonders zynisch wird die Sache aber, da auf der selben Veranstaltung Tupac Orellana von der Linkspartei das Reden während des offenen Mikrofons versagt wurde. Damit ist die selbstproklamierte Neutralität definitiv nicht mehr gegeben und die Veranstaltung in Mainz als rechtsgerichtet bezeichnet werden.

Jetzt distanzieren sie sich davon, aber so, wie es bei PoE momentan geregelt ist, wird sich so etwas noch wiederholen. Entweder man bekennt sich klar zu einem „offenen Konzept“ und trägt dann auch die Verantwortung, wenn Rechte bei einem auftreten, oder man stellt klare Spielregeln auf und schafft somit gar nicht erst die Gelegenheit für AfDler sich einzuschleichen.

Es bleibt dabei – #pulseofottos

Animal Rights Day

Heute ist weltweiter Animal Rights Day. Eine gute Gelegenheit, einmal ein paar Worte über unseren Umgang mit Tieren zu verlieren. Und ganz schamlos Tierbabys zu bringen.

Klassenmampf – niemand muss Tiere essen

So banal es klingen mag, aber das ist nun mal die Wahrheit. Beim heutigen Entwicklungsstand der Menschheit gibt es faktisch genügend Nahrungsmittel für alle. Und es gibt genügend Alternativen zu Tierprodukten. Das Problem ist hier wieder einmal die Frage der Verteilung. Auch innerhalb der Industriestaaten und der Lebensmittelproduktion. Ein großer Anteil der Getreideproduktion in Europa wird für die Tiermast aufgewendet, ein Kilogramm Fleisch hat einen viel größeren Energie- und Flächenaufwand als ein Kilogramm Getreide. Natürlich gibt es Hunger auf der Welt. Aber vor allem in Ländern wie Deutschland gibt es keinen Grund, nicht auf Fleisch und andere Tierprodukte zu verzichten. Es gibt genügend Alternativen. Eine gerechte und faire Verteilung von Nahrungsmitteln weltweit sollte ein natürliches Anliegen im Kampf gegen den globalen Kapitalismus darstellen. Zudem dienen der massive Fleischkonsum und eine auf Umsatzsteigerung abzielende Fleischindustrie in den Entwicklungsländern auch als Vorbild in der Lebensweise und führen durch übermäßige Tierhaltung zu Problemen wie der Desertifikation.

Mittels Subventionen werden die Preise für Nahrungsmittel und vor allem Fleisch künstlich niedrig gehalten. Auf den ersten Blick eigentlich ok, führt aber langfristig zu einer Entkopplung des eigentlichen Produktions- und Verkaufswertes von Fleisch und anderen Nahrungsmitteln von dem, was wir im Laden bezahlen. Resultat davon ist unter anderem, dass Landwirte ohne diese Subventionen nicht überlebensfähig sind – und Fleisch spottbillig. Dabei werden neben den direkten Kosten auch die sogenannten Tertiärkosten wie Umweltverschmutzung, CO2-Emmissionen und dergleichen nicht auf das Produkt umgeschlagen. Und die industrielle Massentierhaltung in Käfigen und Ställen ist einer der Klimakiller Nummer 1. Würden alle Tiere so artgerecht wie möglich auf freien Flächen gehalten, könnte nicht so viel Fleisch wie heute produziert werden und wir hätten mehr freie Weideflächen, was gleichzeitig der Biodiversität zugute käme. Außerdem müsste nicht so viel Treibstoff für die Futterproduktion verbraucht werden. Ein Kampf für eine bessere Tierhaltung ist hier auch gleichzeitig ein Kampf gegen den Klimawandel und für den Artenschutz. Eine nachhaltige Subventionspolitik würde also dafür sorgen, dass Massenstallhaltung benachteiligt wird und vegetarische und vegane Erzeugnisse bevorteilt würden.

Eine Frage der Ethik

Der Einsatz für Tierrechte beschränkt sich natürlich nicht nur auf die Fleischproduktion. Tiere werden teilweise auch in der Milchproduktion gequält, für die Stopfleber werden Gänse künstlich zwangsüberfressen und zu Fettlebern gezwungen – diese Tierquälerei ist in Frankreich zum Kulturgut erklärt worden. Immer noch werden Elefanten, Nashörner, Tiger und andere Tiere für Trophäen, ihre Hörner oder andere Körperteile erschossen und stehen vor der Ausrottung. Beim Zirkus werden Wildtiere durch die Landen gekarrt und eingesperrt, bei der Ausbildung auch gerne gezüchtigt. Artgerecht ist anders.

Die Hauptfrage, die sich bei all dem stellt: Mit welchem Recht stellt sich der Mensch immer noch autoritär über Tiere? Wir haben einen technologischen Entwicklungsstand erreicht, der uns allen eigentlich ein tierproduktfreies Leben ermöglicht. Weltweit. Wieso müssen wir also noch darauf beharren, fühlende Lebewesen zu töten oder zu knechten? Es geht hier nicht darum, Leuten ihren Lebenswandel oder ihre Ernährung vorzuschreiben. Aber diese Fragen sollten wir uns alle stellen. Denn wir arbeiten an einer besseren Zukunft für alle. Bei vielen ist es einfach nur die eigene Bequemlichkeit, die eine Nahrungsumstellung und den Verzicht auf tierische Produkte verhindert. Das kann aber doch kein Grund sein, sich nicht mit dieser Thematik auseinanderzusetzen. Und der Kampf für Tierrechte hat mitnichten nur etwas mit Ernährung zu tun.

Ein paar Worte zur RAF

„Ohne dass wir das deutsche Volk vom Faschismus freisprechen – denn die Leute haben ja wirklich nicht gewusst, was in den Konzentrationslagern vorging -, können wir es nicht für unseren revolutionären Kampf mobilisieren.“ – Ulrike Meinhof, 1972 (1)

Der Beginn

Am 14. Mai 1970 wurde Andreas Baader mit Waffengewalt aus dem Deutschen Zentralinstitut für soziale Fragen befreit, es gab einen Schwerverletzten. Dies gilt gemeinhin als Beginn der RAF als solcher und ihrem terroristischem Kampf als selbstbetitelte Stadtguerilla. Die RAF ist neben dem NSU ein Unikat in der jüngeren deutschen Geschichte, hielt sie doch über zwei Jahrzehnte den Staats- und Polizeiapparat auf Trab, zeichnet sich für 33 Tote verantwortlich und war in ihrer tatsächlichen Wirkmacht einerseits realpolitisch überschätzt, andererseits gab es großen Rückhalt in Teilen der Gesellschaft und eine unglaubliche Medienresonanz – bis heute. Über drei Generationen und dutzende Mitglieder geben Aktionen und Ideologie der RAF ein Spotlight auf eine der eher dunkleren Phasen der radikalen deutschen Linken.

Die Ursprünge der RAF liegen in der antiautoritären Protestwelle der 60er, welche durch verschiedene Ereignisse immer weiter in Richtung bewaffneter Widerstand radikalisiert wurde. Zu nennen wären neben vielen anderen die Ermordung von Benno Ohnesorg, das Attentat auf Rudi Dutschke, der Vietnamkrieg, der Sechs-Tage-Krieg und die Spiegelaffäre. Aus dem Spektrum der APO (außerparlamentarische Opposition) bildete sich nicht nur das, was später mal die Grünen werden würden. Es entstand auch eine heute fast unüberblickbare Ursuppe aus den sogenannten K-Gruppen, die sich auf Lenins Theorie des Imperialismus bezogen und in Mao auch gerne die Vollendung dieser Ideen sahen und ihn teilweise kanonisch eingeordnet haben. Die realen Begebenheiten im Ostblock und in China waren kaum bekannt und die Stimmungslage wurde durch sowjetische Agitation beeinflusst. Aus dieser Suppe rekrutierten sich dann nicht nur militante, sondern zum bewaffneten Kampf bereite Gruppierungen, wie zum Beispiel die Revolutionären Zellen, die Bewegung 2. Juni und eben die RAF.

Dunkle Zeiten

Warum ist die Zeit von Mitte der 60er bis in die 80er hinein ein düstere Episode der radikalen Linken in Deutschland? Weil sie mit ganz viel ideologischem Schwachsinn verbunden ist – der zu diversen Anschlägen, Attentaten und Toten geführt hat. Viele Linke in Westdeutschland solidarisierten sich in zynischer Weise und Unwissenheit mit der Sowjetunion, Mao, den Vietcong und sogar den Roten Khmer. Die Gründe dafür sind vielfältig, hängen mit der Theorie des leninschen Imperialismus und der Dimitroff-These zusammen, einer falschen Analyse des Faschismus und einem dogmatischen Denken. Auch die einzelnen Mitglieder der RAF starten mit verständlichen Kritikpunkten ihre Reise ins ideologische Abseits. Die Nichtaufarbeitung der NS-Zeit kotzt sie an, in der BRD wurden Kontinuitäten gerne weggeschwiegen oder unter den Teppich gekehrt, die Arbeiterklasse war immer noch unterdrückt.

Der Vietnamkrieg ließ in Westdeutschland den Antiamerikanismus wieder erstarken, dieses Mal zur Verteidigung der kommunistischen Vietcong und auch bedingt durch die Verbrechen der US-Streitkräfte sowie das Vorgehen gegen Kuba und anderswo in der Welt. Die USA waren die selbsterklärte Speerspitze des Antikommunismus. Gut, die Sowjetunion war auch nicht kommunistisch und nicht mal sozialistisch und das menschenverachtendere System nach innen, aber solche Details sind im Kampf der großen Ideologien unwichtig. Israel wurde mit dem Sechs-Tage-Krieg dieser Lesart nach selber zum Besatzer und Imperialisten (und hatte den unbedingten Support der verhassten Amerikaner) und verlor damit die Sympathien weiter Teile der radikalen Linken.

In der Folge wird Israel ohne Umschweife als faschistischer Staat bezeichnet und die RAF selber kommt zu dem Schluss, beim Attentat palästinensischer Terroristen bei den Olympischen Spielen in München 1972, die israelische Regierung hätte die Sportler verheizt wie die Nazis die Juden – Brennmaterial für die imperialistische Ausrottungspolitik.“ (2) Der Angriff auf die Sportler, ausgeführt von der Gruppe „Schwarzen September“, wurde positiv aufgenommen, schlecht war mal wieder Israel. Der allgemeine Duktus aus dieser Zeit hat sich bis heute in gewissen antiimperialistischen Kreisen nicht geändert, nur die Schlagworte werden dem Zeitgeist folgend etwas angepasst:

Die Zeitschriften der K-Gruppen sprechen in ihrer Berichterstattung eine eindeutige Sprache: So schreibt die „Rote Fahne“ der KPD/AO unter der Überschrift „Zionisten: Die Nazis unserer Tage“, daß die zionistischen Machthaber mit faschistischen Mitteln Palästina araberfrei“ machen. Die „Rote Fahne“ des „Kommunistischen Arbeiterbundes Deutschlands“ (KABD) spricht von München als Alibi um den Ausrottungsfeldzug bis zum zionistischen Endsieg zu führen.“ Der „Rote Morgen“ der KPD/ML sieht Israel als ein einziges KZ für Araber“ und der „Arbeiterkampf“ des KB sieht die Vergeltungsangriffe Israels auf palästinensische Guerillalager nach der Geiselnahme von München nach dem Vorbild der Nazis ausgeführt.“ (3)

You are getting it wrong

Wie die Gruppierungen der damaligen Zeit zu solchen Schlussfolgerungen gekommen sind? So sah die RAF zum Beispiel den Nationalsozialismus als Spielart des Imperialismus, der sich erst jetzt in seiner endgültigen Form zeige. Imperialismus sei also der wahre Faschismus – und jeder Kampf gegen ihn also antifaschistisch. Damit passen dann auch tote israelische Sportler*innen problemfrei mit vermeintlichem Antifaschismus zusammen. Die RAF dazu selber: „„Die Aktion des Schwarzen September war antifaschistisch. Sie hat den Zusammenhang zwischen dem alten NS-Faschismus und dem entfalteten Imperialismus als dem erst durch und durch faschistischen System hergestellt.(4) Es ist dementsprechend auch nicht weiter überraschend, dass sich Mitglieder der RAF von solchen palästinensischen Terroristen ausbilden ließen, die gerne Israel vernichten wollten. Die Zusammenarbeit deutscher Linker mit dem palästinensischen Terror gipfelte in der Geiselnahme am ugandischen Flughafen in Entebbe, als Deutsche der Revolutionären Zellen und Palästinenser die Geiseln explizit in Juden und Nichtjuden trennten – und die Nichtjuden freiließen – sowie der Entführung einer Passagiermaschine in Mogadischu zur Freipressung der RAF-Führungsriege in Stammheim durch Palästinenser.

Die RAF hatte den Nationalsozialismus also in das eigene antiimperialistische Weltbild eingebaut und sah ihn nur als Vorstufe zu dem, was in den 70ern nach antiimperialistischer Lesart so alles passierte. Hier liegt eine gänzlich falsche Faschismusanalyse zugrunde, die weder den strukturellen Aufbau der faschistischen Staaten (Führerprinzip, Ein-Parteiendiktatur, Totalitarismus) berücksichtigt, noch den völkischen Kern der Ideologie von Verschmelzung von Staat und Volk zur übermystifizierten „heiligen Nation“ (die Palingese nach Griffin). Auch die Einzigartigkeit der Shoa wird regelmäßig relativiert, z.B. wenn sich RAF-Häftlinge selber in eine Reihe mit ermordeten Juden und Jüdinnen stellen: „Unsere Isolation jetzt und das Konzentrationslager demnächst […] kommt raus auf: Vernichtungslager – Reformtreblinka – Reformbuchenwald – die „Endlösung“. So sieht’s aus.“ (5) Damit sollen nicht die Haftbedingungen in Stammheim verharmlost werden, es geht um die vorgenommene Gleichsetzung mit den Opfern der Shoa.

Weiter werden die Mittel der staatlichen Repression als faschistisch ausgemacht, die Repression von kapitalistischen Staaten sei der eigentliche Faschismus: „So wird die politische Situation in der Bundesrepublik der Siebziger-Jahre oft vermittels NS-Analogien beschrieben. Dabei wird der NS-Faschismus theoretisch auf eine präventive Bekämpfung der Linken verkürzt und die Beteiligung großer Teile der deutschen Bevölkerung bestritten. Gerade die RAF benutzt den Faschismusvorwurf gegen den Staat inflationär. So gebraucht das „Kommando Thomas Weisbecker“ der RAF in der nur einige wenige Sätze langen Anschlagserklärung zu den Bombenanschlägen in München und Augsburg im Mai 1972 vier explizite NS-Vergleiche. Wie anderen K-Gruppen auch, sieht das RAF Kommando die analysierte Faschisierung des Staates als von oben betriebene Reaktion auf die Klassenauseinandersetzungen und verortet ihre Aktionen als expliziten Widerstand dagegen.“ (6) Also nix mit völkisch und Judenhass als elementare Bestandteile der NS-Ideologie, diese sind nur Nebenprodukte in den Augen der RAF.

Mythos und heute


Was die RAF bis heute als linken Mythos in einigen Teilen des Spektrums in wohliger Idealisierung als positive
n Bezugspunkt erscheinen lässt, ist weniger die inhaltliche Analyse ihrer Texte und Standpunkte, es ist vielmehr das projezierte Rebellentum. Die RAF sah sich selber als Speerspitze der revolutionären Aktion und setzte die damaligen medialen Mittel bewundernswert zu ihrem Nutzen ein. Im Gegensatz zu den Revolutionären Zellen stellten sich Akteure der RAF bewusst in die Öffentlichkeit, Andreas Baader wird z.B. als egomanischer Frauenheld mit Geltungsdrang charakterisiert. Alle drei Generationen der RAF rekrutierten sich vorrangig aus der Suppe, in der auch die K-Gruppen mitschwammen, die dezentrale Struktur erschwerte die Festnahme der Mitglieder. Zudem genoss sie in studentischen und linken Kreisen eine Menge Rückhalt. Typische WG-Gespräche in den 70ern drehten sich auch gerne um die Frage, was denn nun zu tun sei, wenn ein RAF-Mitglied vor der Tür steht und Unterschlupf braucht. Wie weit wäre die WG bereit zu helfen?

Außerdem spricht das Angreifen von Einzelpersonen und symbolischen Orten und Institutionen jene Personen an, die von einem bewaffneten Umsturz der bestehenden Verhältnisse träumen. Und das am besten so früh wie möglich. Revolutionsromantik halt, von der RAF relativ erfolgreich vorgelebt. Der verkürzten Analyse, dass diese Anschläge irgendwas von Dauer bringen würden, waren schon die Anarchist*innen am Ende des 19. Jahrhunderts mit der „Propaganda der Tat“ erlegen – und wandten sich mangels Erfolg davon wieder ab. Rückblickend betrachtet hat die RAF nicht viel bis gar nichts bewegt. 1977 wurden die Gesetze im deutschen Herbst verschärft, Politik und Polizei haben sich etwa 25 Jahre intensiv mit linken Terrorist*innen beschäftigen müssen und die Verfolgung Linker blieb eine Kernaufgabe aller staatlichen Behörden. Darüber wurden rechte Umtriebe gerne mal übersehen, suchten die Nazis doch nicht so publikumswirksam die Öffentlichkeit mit Attentaten, Anschlägen und Entführungen. Auch zeigt die RAF exemplarisch viele ideologische Verirrungen auf, die durch ideologisches Kreisgewichse und überintellektuelle Herangehensweise bei gleichzeitiger Anpassung der Realität an die eigene Weltsicht entstehen – bis hin zur Negierung der Realität. Auch mit handfestem Antifaschismus hatte es die RAF nicht so. Ganz in der Tradition von Dimitroff sei das Kapital der Faschismus, warum sich also mit echten Neonazis wie der Wehrsportgruppe Hoffmann beschäftigen? Als große Antifaschist*innen im heutigen Sinne ist die RAF nicht bekannt, es wurde lieber gegen „das System“ gekämpft.

Aus Sicht der 60er lässt sich diese Zeit besser einordnen. Massendemonstrationen auf der ganzen Welt, linke Utopien gegen die bürgerliche Gesellschaft waren en vogue und es gab ein großes Protestpotential. Viele Personen waren zum bewaffneten Widerstand bereit, in Russland hatte mit den Bolschewiki eine kleine Gruppe die Macht übernommen und sich danach in der Machtposition gehalten, weltweit gab es linke Bewegungen, Revolutionen und Kämpfe. Man konnte sich als Teil dieser Bewegung sehen und eventuell sogar die Revolution in Deutschland auslösen. Die Masse müsste nur einer revolutionären Avantgarde folgen. Also sind wir diese Avantgarde. Dabei verrannte sich ein ganzes Spektrum in einem ideologischen Irrgarten – trotz Frankfurter Schule, Gulag und Shoa. Die RAF ist das perfekte Lehrmaterial für eine Gruppe von Leuten, die wie z.B. Meinhof aus den richtigen Gründen anfangen und sich dann unterwegs komplett verirren und Täterschutz am deutschen Volk und Opfer-Täter-Umkehr am Staat Israel praktizieren und dank falscher Faschismusanalyse am völlig falschen Ende rauskommen.


Quellen:

(1) Ulrike Meinhof, als Zeugin der Verteidigung im Prozess gegen Horst Mahler, am 14.12.1972: „Auschwitz heißt, dass sechs Millionen Juden ermordet und auf die Müllkippe Europas gekarrt wurden als das, als was man sie ausgab – als Geldjuden. Der Antisemitismus war seinem Wesen nach antikapitalistisch. Mit der Vernichtung von sechs Millionen Juden wurde die Sehnsucht der Deutschen nach Freiheit von Geld und Ausbeutung mit ermordet… Ohne dass wir das deutsche Volk vom Faschismus freisprechen – denn die Leute haben ja wirklich nicht gewusst, was in den Konzentrationslagern vorging – können wir es nicht für unseren revolutionären Kampf mobilisieren.“

(2) Rote Armee Fraktion, Die Aktion des „Schwarzen September“ in München. Zur Strategie des antiimperialistischen Kampfes, in: ID Archiv 1997. S. 173
(3) Jens Benicke, Leninisten mit Knarren – War die Rote Armee Fraktion nur eine bewaffnete K-Gruppe?, Vortrag im Jour fixe der Initiative Sozialistisches Forum am 30. April 2008, S. 8 http://www.ca-ira.net/isf/beitraege/pdf/benicke-leninisten.pdf

(4) Rote Armee Fraktion, Die Aktion des „Schwarzen September“ in München. Zur Strategie des antiimperialistischen Kampfes, in: ID Archiv 1997. S. 167

(5) Gefangene aus der RAF, Hungerstreikerklärung vom 8. Mai 1973, in: ID Archiv 1997, S. 189.

(6) Jens Benicke, Leninisten mit Knarren – War die Rote Armee Fraktion nur eine bewaffnete K-Gruppe?, Vortrag im Jour fixe der Initiative Sozialistisches Forum am 30. April 2008, S. 6

Aktivismus, Gewalt und Trauma – ein Interview

Interview mit Moshe Weintraub über Antifa, Gewalterfahrung und Trauma. Moshe Weintraub hat in Psychologie promoviert, ist Antifaschist und offensichtlich ein Tarnname. Das Interview führte Laura Stern. Für weitere Informationen oder Hilfe in eurer Nähe schaut bei Out of Action vorbei. Die sind genau darauf spezialisiert und in Berlin, Dresden, Hamburg, Köln, Leipzig und West (Duisburg über Wuppertal bis Dortmund) ansässig: https://outofaction.blackblogs.org/

MW=Moshe Weintraub AKA=Antifa Kampfausbildung

AKA: Nicht nur, aber auch im antifaschistischen Aktivismus, sind Menschen mit Gewalt konfrontiert. Wir sind auf Demos unterwegs, erleben Polizeigewalt, körperliche Auseinandersetzungen mit Faschos, dazu dann noch „übliche“ rassistische, sexistische, homophobe usw. Gewalt. Ganz grundsätzlich: Wie wirkt sich diese Gewalt auf die Psyche aus und gibt es unterschiedliche Arten, wie es sich auswirkt?

MW: Gewalt hat immer eine Auswirkung auf die Psyche und diese Auswirkungen können sehr vielseitig aussehen. Jede Person reagiert unterschiedlich auf Gewalt und auch auf Gewalt in unterschiedlichen Situationen. Wichtig ist zu verstehen, dass eine Reaktion der Psyche auf Gewalt ganz normal ist und nicht automatisch gleichzusetzen ist mit einer Anpassungsstörung oder Belastungsstörung, einer so genannten Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS).

Was sehr häufig vorkommt nach Gewalterfahrung ist eine innere Unruhe und eine erhöhte Aufmerksamkeit auf die Umgebung wenige Stunden oder am Folgetag nach der Erfahrung. Dies ist eine ganz normale Reaktion des Körpers und auch eine sinnvolle, da sie uns in einer feindseligen Umgebung sensibel gegenüber weiteren Angriffen machen soll. Wichtig ist, dass man der Psyche oder genauer dem Gehirn hier einfach die Zeit lässt, damit erst einmal umzugehen.

Es gab mal Ansätze bei Rettungskräften eines so genannten Debriefings. Die Idee war, dass die Personen nach traumatischen Erfahrungen zeitnah danach über die Erfahrung berichten sollten um so die emotionale Verarbeitung zu erleichtern. Mittlerweile hat sich gezeigt, dass diese Idee, die intuitiv viele haben, keine gute war. Denn wenn die Erfahrungen zu schnell intensiv besprochen werden, erhöht dies sogar die Chance einer PTBS.

AKA: Wie eben ja schon selbst angesprochen, haben viele entweder die Idee oder das Bedürfnis, darüber schnell zu sprechen. Entweder, um sich die Erlebnisse von der Seele zu reden, oder um einer (angenommenen) Verdrängung vorzubeugen. Warum ist das kontraproduktiv und von welchem Zeitraum reden wir?

MW: Das liegt daran, dass quasi die psychische Widerstandsleistung des Gehirns direkt danach nicht voll da ist, aber eine Konfrontation mit dem erlebten „erzwungen“ wird. Das Gehirn muss aber erst wieder die Chance haben sich zu erholen vom Stress der Erfahrung.

Das heißt natürlich nicht, dass man Gespräche über solche Erfahrungen komplett vermeiden sollte. Man sollte nur erst einmal dem Gehirn die Chance geben, selber zu arbeiten. Merkt man dann, dass z.B. die Unruhe nach ein paar Tagen, normalerweise zwei bis drei Tage, nicht aufhört, dann empfiehlt sich natürlich sich Hilfe zu suchen und Unterstützung einzufordern.
Solche Hilfe kann entweder von Bezugspersonen kommen, oder aber z.B. durch Out of Action Gruppen (https://outofaction.blackblogs.org) oder andere psychologische Hilfsangebote.

Wichtig ist aber, dass wir an dieser Stelle auch noch nicht von einer PTBS sprechen. Eine Gewalterfahrung ist ein traumatisches Erlebnis, aber nicht zwangsläufig eine PTBS. Dies ist ein wichtiger Punkt.
Die Erfahrung von Gewalt ist immer schlimm, aber nicht immer folgt eine PTBS. Eine PTBS hat klare Symptome, sollte nicht selbst diagnostiziert werden und vor allem gehört sie in die Hände von professioneller Hilfe.
Eine PTBS ist gekennzeichnet durch eine klassische Triade aus Symptomen: Erhöhter Wachsamkeit/Schreckhaftigkeit, Vermeidung von Reizen, die an die Erfahrung erinnern oder damit verbunden sind und so genannte Intrusionen, also z.B. Flashbacks an die Situation selbst, bei denen die Person das Gefühl hat wieder in der Situation zu sein.

AKA: Ist denn eine traumatische Erfahrung immer mit einem Trauma verbunden und ist eine PTBS jetzt das, was gemeinläufig als“Trauma“ gesehen wird?

MW: Ein Trauma (griechisch für Wunde) ist eine Situation in der das eigene Leben oder die Unversehrtheit bedroht wurde oder man dies bei anderen miterlebt hat. Es gibt auch noch ein sekundäres Trauma, z.B. bei Menschen die viel in der Behandlung von Menschen mit PTBS arbeiten. Der Begriff Trauma wurde und wird leider häufig falsch verwendet. Vor allem in der klassischen Psychoanalyse wurden häufig Dinge als Trauma beschrieben, z.B. ein „Geburtstrauma“, die nach zeitgemäßer Definition kein Trauma sind. Deswegen ist es wichtig sich über den Begriff klar zu werden.

Eine Gewalterfahrung ist an sich ein Trauma. Dieses Trauma wird eine Reaktion hervorrufen, muss jedoch nicht zu einer klinischen Diagnose im Sinne einer PTBS führen.
AKA: Gibt es denn grundsätzlich grundverschiedene Arten von Taumata?

MW: Es gibt unterschiedliche Auslöser. Man kann das etwas kategorisieren – es gibt Traumata durch natürliche Geschehnisse, wie z.B. Erdbeben oder durch Menschen verursachte, wie z.B. Gewalt. Weiterhin gibt es einmalig auftretende – Erdbeben oder Überfall – oder langfristige Ereignisse – Folgesituationen durch Naturkatastrophen oder Gefangenschaft mit Gewalterfahrung. Die höchste Chance, dass ein Trauma zu einer Traumastörung, also einer PTBS führt ist durch Mensch langfristig, wobei hier auch in extremsten Situationen nur ca. 30-40% der Betroffenen eine Störung erleiden – wir reden hier also von Wahrscheinlichkeiten.

Dies heißt nicht, dass diese Personen schwächer sind, oder die Erfahrung der anderen Personen weniger traumatisch, sondern nur, dass das Gehirn des Menschen eben viele Wahrscheinlichkeiten hat.

AKA: Linke Aktivist*innen sind durch den Aktivismus erhöht dem Risiko von Traumata ausgesetzt. Wie ist denn deiner Meinung nach der Umgang damit innerhalb des linken Spektrums? Wir verstehen uns ja als solidarisch und stehen für einander ein. Wird das Thema offen und konstruktiv angegangen?

MW: Da lässt sich keine Allausage machen – du wirst Menschen finden, die damit offen und solidarisch umgehen, und andere, die Scham damit verbinden, wenn sie merken, dass nach Gewalterfahrung etwas nicht so ist wie sonst. Das Spektrum ist hier genauso heterogen wie die Gesellschaft.
Wichtig ist, dass man betroffenen Personen Raum lässt, um mit ihren Erfahrungen umzugehen, und Ressourcen bereitstellt, damit diese für sich sorgen können und das das Thema offen angesprochen werden kann, aber den Personen nicht aufgezwängt wird. Bezugspersonen oder -gruppen sollten hier über Möglichkeiten reden, aber auch ihre Grenzen. Welche Möglichkeiten und Ressourcen sind vorhanden, wie kann man sich Wissen aneignen und wo muss professionelle Hilfe geholt werden.

AKA: Ab welchem Punkt ist den professionelle Hilfe angebracht? Wie kann das grob festgemacht werden?

MW: Wenn man merkt, dass sich der Körper nicht mehr beruhigt, oder die oben beschriebenen Symptome, vor allem die Intrusionen wie Flashbacks auftauchen. Dies passiert, wenn es auftritt, häufig erst ein paar Wochen nach der Erfahrung.
Es ist also wichtig als ersten Schritt nach der Erfahrung erst einmal dem Gehirn etwas Zeit zu geben und für sich zu sorgen – dem eigenen Körper also erst einmal die Chance zur Erholung zu geben. Der nächste Schritt ist sich eventuell Unterstützung zu suchen, das Erlebte zu verarbeiten und für einen zu klären, was eine solche Erfahrung für einen bedeutet. Die Zeit zwischen den beiden Schritten kann sehr individuell sein, deswegen kann man hier keine Lösung nennen, die für jede Person oder jede Situation gilt.
Hilft all dies nicht und die Symptome bleiben oder kommen sogar wieder, dann sollte professionelle Hilfe aufgesucht werden.

AKA: Gibt es denn eine Gewöhnung an Gewalterfahrung und eine Schwächung der damit verbundenen Traumatisierung?

MW: Nein, schaut man sich z.B. Traumastörungen bei Soldat*innen an, so steigt die Wahrscheinlichkeit für eine Störung, je häufiger diese Personen im Kriegseinsatz war.

Jede Person hat auch zu unterschiedlichen Zeitpunkten eine andere Widerstandsfähigkeit, je nach aktuellen Ressourcen und somit ist es eine Wahrscheinlichkeitsfrage.

AKA: Um mal vom Thema „Trauma“ wegzugehen: Wie ist denn der Umgang mit psychischen Erkrankungen innerhalb der (radikalen) Linken? Einerseits erfordert Militanz natürlich körperliche und geistige Bedingungen, die nicht alle erfüllen. Zum Beispiel sind die Kleinen und Zierlichen für die erste Reihe eher weniger geeignet. Andererseits sind wir für alle da und vor allem soll Aktivismus auch für alle möglich sein.

MW: Da muss jede Person seine eigene Grenze festlegen, genauso wie bei körperlichen Dingen auch. Da lässt sich keine Regel geben.

An sich ist hier auch das Thema, das der Umgang mit psychischen Störungen oder Syndromen sehr individuell ist. Es gibt hier, wie oben erwähnt, Menschen die damit offen umgehen und andere, die sich mit dem Thema einfach gar nicht beschäftigen und auch kein Auge dafür haben. Auch Linke sind Teil einer Gesellschaft und in ihrem Umgang, ihrer Einstellung und ihrem Wissen zu psychischen Störungen ähnlich heterogen wie die Gesellschaft aus der sie kommen.

Natürlich wird man hier auch Personen finden, die sich völlig ignorant zeigen oder denken, dass Personen nicht „hart“ genug sind für bestimmte Formen von Aktivismus. Man muss eingestehen, dass man auch Teil einer gesellschaftlichen Prägung ist. Wie in vielen anderen Punkten beginnt Gesellschaftsveränderungen hier bei einem selbst, also mit den Fragen, welche Einstellung und welches Wissen habe ich eigentlich zu dem Thema und wie gehe ich damit um, wenn dieses Thema in meiner näheren Umgebung auftritt.

AKA: Schönes Schlusswort, vielen Dank.